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Vor der Wahl - Cyberkrieg in Russland

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News-Man

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Wenige Wochen vor der Präsidentenwahl tobt in Russland ein Hacker-Krieg. Internet-Seiten regierungskritischer Medien werden lahmgelegt und E-Mail-Fächer geknackt. Auch die Hacker-Gruppe Anonymous mischt mit.

Die Moskauer Tageszeitung "Kommersant" spricht vom "größten politischen Skandal der letzten 12 Jahre". Hinter den massiven Hacker-Attacken auf die Zeitung im März 2008 soll die kremltreue Jugendorganisation "Naschi" (Die Unseren) stecken. Hinweise darauf gebe es, so "Kommersant", in den E-Mails des "Naschi"-Anführers Wassilij Jakemenko und seiner Pressesprecherin Kristina Potuptschik.

Hacker, die sich als russischer Ableger der international agierenden "Anonymous"-Gruppe ausgeben, hatten Jakemenkos und Potuptschiks Postfächer geknackt und vor wenigen Tagen E-Mails im Internet veröffentlicht. Das Verlagshaus "Kommersant" forderte daraufhin das russische Innenministerium auf, die brisanten Informationen zu überprüfen. Die Beweise würden ausreichen, um Strafverfahren einzuleiten, schreibt Demjan Kudrjawzew, Generaldirektor des Verlagshauses, in seinem Blog auf der Plattform LiveJournal.

"Naschi" weist alle Vorwürfe zurück und droht "Kommersant" mit einer Verleumdungsklage. Die Jugendorganisation wird aus Steuergeldern finanziert und macht seit Jahren Stimmung für Wladimir Putin.
Die bislang massivsten Störungen im russischen Internet traten am Tag der Parlamentswahl, am 4. Dezember 2011, auf. Seiten mehrerer regierungskritischer Medien, darunter die der Zeitung "Kommersant", aber auch die einer unabhängigen Wahlbeobachterorganisation, konnten stundenlang nicht aufgerufen werden. Diese Hacker-Angriffe, so der Chefredakteur des einflussreichen Radiosenders "Echo Moskwy" Alexej Wenediktow, würden die Legitimität der Duma-Wahl zusätzlich in Frage stellen.

Die nun gehackten E-Mail-Fächer einiger Aktivisten der kremlnahen "Naschi"-Jugendorganisation werfen darüber hinaus moralische Fragen auf, schreibt "Kommersant“. Wenn Hacker E-Mails von Oppositionellen mit privatem Inhalt veröffentlichen, sei dies zu verurteilen, denn "fremde Briefe sollte man nicht lesen". Doch in diesem Fall seien Opfer des Cyber-Angriffs "Funktionäre einer undurchsichtigen Regierungsorganisation mit einem zweifelhaften Ruf" geworden. Darf man illegal erworbene E-Mails als Beweis verwenden und damit unrechtmäßige Methoden der Hacker legitimieren? Darauf hat "Kommersant" keine eindeutige Antwort...

Quelle und mehr: www.dw.de